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Liebe Leserin, lieber Leser,
"Jungen werden zunehmend zum Problemfall", sagte kürzlich ein Referent auf einer Tagung. Bei dieser Formulierung ging mir
die Hutschnur hoch: Die Jungen haben also nicht Probleme, sie machen auch nicht Probleme - sie sind das Problem! Na, wenn
dem so ist, liegt die Lösung doch ganz nah: Schafft die Jungen ab. Kein Junge, kein Problem. Vielleicht lohnt es sich aber auch mal nachzudenken, wo das Problem tatsächlich begraben liegt, in den Jungen oder in ihrer
Umgebung? Jahrelang haben wir uns vor allem um die Mädchen und ihre Bildungschancen gesorgt. Und jetzt merken wir, dass auch
Jungen in Not sein können. Ob man deshalb gleich die "Jungenkatastrophe" ausrufen oder von den Jungen als dem "benachteiligten Geschlecht" sprechen sollte,
scheint mir allerdings fraglich. Denn alle Studien, etwa zu Schulleistungen, ergeben zwar: Unter denen, die am schlechtesten
abschneiden, sind mehr Jungen als Mädchen. Aber unter den Besten ebenfalls. Was also tun? Geschlechtergerecht erziehen, meint dazu Jürgen Budde, ebenfalls Referent auf der anfangs erwähnten Tagung.
Wobei dies nicht Gleichheit für alle bedeute, sondern eine Erziehung, die beiden Geschlechtern gerecht wird. Sein Fazit: Macht
euch nicht so viel Gedanken über die Geschlechterdifferenzen, das wird viel zu sehr überbewertet. Betrachtet Jungen und Mädchen
nicht unter Stereotypen. Seht und nehmt jedes Kind als das Individuum, das es ist.
Ihre
Dagmar Wolf Chefredakteurin
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