Verband Kath. Tageseinrichtungen für Kinder (KTK)- Bundesverband e.V. - Stichwort 1/07

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Stichwort 1/07

 

Kinderarmut

Nach Schätzungen des Kinderhilfswerkes UNICEF leben weltweit mehr als eine Miliarde Kinder in "absoluter Armut", weil ihnen grundlegende Ressourcen zum Überleben fehlen, wie ausreichende Nahrung, Trinkwasser, medizinische Hilfe oder ein Dach über dem Kopf. Bezogen auf reiche Länder wird Armut allerdings anders definiert und zwar in Relation zum gesellschaftlichen Wohlstand.
Diese "relative Armut" bezeichnet eine Lebenslage, in der - im Vergleich zum durchschnittlichen Lebensstandard einer Gesellschaft - eine unzureichende Ausstattung mit materiellen und immateriellen Ressourcen vorliegt. Armut wird hierbei nicht nur als Einkommensarmut gesehen, sondern als eine Lebenslage, in der in verschiedenen Lebensbereichen wie Arbeit, Wohnen, Gesundheit, Bildung, sozialer und kultureller Teilhabe Unterversorgung auftreten kann.
Eine solche Armutslage schränkt auch kindliche Handlungs- und Entwicklungsspielräume ein, etwa die Entfaltung von Fähigkeiten und Neigungen oder die Möglichkeit von sozialen Kontakten. Dabei ist von einer Wechselwirkung zwischen materiellen und immateriellen Erscheinungsformen auszugehen. Materielle Armut hat zum Beispiel häufig Bildungsarmut zur Folge oder ist durch Bildungsarmut verursacht. Diese kann sich auf die gesundheitliche Versorgung auswirken, wobei Krankheit wiederum Ursache von Armut sein kann.
Armut als Lebenslage ist zudem in ihrer zeitlichen Dimension zu betrachten. Zum einen gibt es die von einer Generation auf die nächste "sozial vererbte Armut", die durch Langzeitbezug von Fürsorgeleistungen, niedrigen Bildungsstatus der Eltern und geringe Ausstiegschancen gekennzeichnet ist. Daneben haben wir es zunehmend mit Armutsformen zu tun, die zeitlich begrenzt sein können (als Folge von Trennung und Scheidung, Erwerbslosigkeit, Migration, ...). Ein wesentliches Merkmal dieser neueren Armutsformen ist, dass sie nicht auf den ersten Blick erkennbar sind.
Kinderarmut ist immer im Zusammenhang mit Familienarmut zu sehen, also mit der Armut von Erwachsenen, die für die Versorgung und Erziehung der Kinder zuständig sind. Ein Aufwachsen in Armut wirkt sich bei Kindern sowohl auf ihr aktuelles Wohlbefinden als auch auf ihre zukünftigen Entwicklungsperspektiven negativ aus.

Prof. Margherita Zander, FH Münster