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Implizite Religionspädagogik
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Die Religionspädagogik beschäftigt sich mit religiösen Lernprozessen. Dabei wird der Begriff Religionspädagogik meist verwendet
im Zusammenhang mit ausdrücklicher Religionsausübung wie Gottesdienstgestaltung, Beten oder Erzählen von biblischen Geschichten.
Geht es aber um die Gestaltung des Zusammenlebens in der Kita, wird dies häufig eher wahrgenommen als sozialer Lernprozess
und damit nicht als Religionspädagogik - höchstens als "Wertevermittlung". Zumindest für die christliche Religion ist das
eine Engführung. Denn im Zentrum des christlichen Glaubens steht die Aussage, dass Gott uns im Menschen Jesus ganz nahe gekommen
ist, so nahe, dass Theologen ihn als menschgewordene Liebe Gottes bezeichnen. Christsein bedeutet im Tiefsten, selbst ein
Liebender zu werden, weil wir damit Gott, der die Liebe ist, ähnlich werden.
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Das Ziel christlicher Bildung in einer Kita könnte man deshalb so formulieren: Erfahrungsräume zu gestalten, in denen alle
Kinder und Erwachsenen spüren können, dass sie - von Menschen und von Gott - geliebt und dazu berufen sind, selbst zu lieben.
Dem dient sicherlich das Mitfeiern eines Gottesdienstes oder das Beten. In der impliziten Religionspädagogik geht es aber
darum, diese Liebe Gottes im alltäglichen Zusammenleben erfahrbar zu machen, zum Beispiel durch Anerkennung und Wertschätzung,
durch verlässliche und vertrauensvolle Beziehungen, durch Verzeihen und Versöhnen.
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Den Alltag entsprechend zu gestalten ist auf der einen Seite eine große Herausforderung, weil alle beteiligten Personen hierbei
in ihrem ganzen Menschsein gefordert sind. Auf der anderen Seite dürfen Erzieherinnen - wie alle Christen - sich eingestehen,
dass sie nicht vollkommen sind und deshalb auch ihre Liebe immer eine begrenzte ist. Und sie können darauf vertrauen, dass
der Heilige Geist, den Jesus im Johannesevangelium als Beistand bezeichnet, sie unterstützt, die Kita als Raum der Liebe und
der Freiheit zu gestalten.
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Der Neurobiologe Gerald Hüther sagt, dass jede Kita einen "guten Geist" braucht. Wir Christen brauchen den noch nicht einmal
selbst zu schaffen - es genügt, unsere Sensibilität für Gottes Geist in uns und zwischen uns zu erhöhen.
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Werner Gatzweiler
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