Das Forum Frühe Bildung fand am 12.03.2026 statt - eine Veranstaltung des KTK-Bundesverbandes in Kooperation mit dem Didacta Verband e.V.
Zur Ausgangslage der Veranstaltung:
Die öffentliche Diskussion über Kindertageseinrichtungen wird häufig von Fachkräftemangel und Platzknappheit bestimmt. Gleichzeitig verändert der demografische Wandel die tatsächlichen Rahmenbedingungen in vielen Regionen deutlich. Sinkende Kinderzahlen führen zu strukturellen Anpassungen der Kommunen - bis hin zu Schließungen von Gruppen und Einrichtungen. Doch jenseits aller Herausforderungen birgt dieser Wandel auch Potenzial: für mehr pädagogische Qualität, für individuellere Bildungschancen und für innovative Konzepte der Frühen Bildung.
Erkenntnisse aus dem Forum "Frühe Bildung im demografischen Wandel":
Demografische Entwicklungen: Daten, Perspektiven und regionale Unterschiede
Dr. Christiane Meiner-Teubner (Technische Universität Dortmund, Forschungsverbund DJI/TU Dortmund) zeigte mit einer umfassenden Datenanalyse, wie stark sich die Altersgruppen bis sechs Jahre bundesweit verändern. Besonders früh sichtbar sind die Effekte in den ostdeutschen Bundesländern: deutlich rückläufige Kinderzahlen, sinkende Gruppen- und Einrichtungszahlen, Schließungen trotz qualitativ hochwertiger pädagogischer Arbeit.
Am Beispiel Thüringens wurde deutlich: Trotz besserer Personalschlüssel und engagierter Fachkräfte können strukturelle Rückgänge nicht vollständig aufgefangen werden. Bis 2035 wird ein Rückgang der Kinderzahlen in ostdeutschen Bundesländern um bis zu 35 % erwartet - in den westdeutschen Bundesländern je nach Region um bis zu 20 %.
Westdeutsche Länder, wie etwa Nordrhein-Westfalen, zeigen bis 2025 weitgehend stabile Zahlen, allerdings bei anderen Rahmenbedingungen: bessere Personalschlüssel, jedoch ein insgesamt niedrigeres fachliches Qualifikationsniveau des Personals.
Deutschlandweit ergibt sich ein heterogenes Bild zwischen weiterem quantitativen Ausbau und ersten Schließungsprozessen.
Thüringen im Fokus: Leerstand vermeiden, Familien stärken
Julia Hecker (Fach- und Forschungsstelle ThEKiZ, FH Erfurt) gab einen praxisnahen Einblick in das Flächenland Thüringen und die dortigen Herausforderungen einer alternden Gesellschaft, sinkenden Geburtenzahlen und wachsenden räumlichen Disparitäten. Viele Gemeinden stehen vor der Frage, wie sie trotz Abwanderung lokale Bildungs- und Unterstützungsstrukturen erhalten können.
Ein Lösungsansatz: Thüringer Eltern-Kind-Zentren (ThEKiZ).
Sie beleben leerstehende Räume, halten Familien im Sozialraum und wirken präventiv, bevor Strukturen unwiderruflich verloren gehen.
Sachsen: Sorge um Fachkräfte und Qualität
Sylvia Mihan (Deutsche Kinder- und Jugendstiftung Sachsen) verdeutlichte die zunehmend prekäre Lage in Sachsen. Der Rückgang der auszubildenden Fachkräfte-Generation trifft auf bereits erfolgte Schließungen. Viele Beschäftigte fürchten um ihre berufliche Perspektive. Ihr Appell war eindringlich: Prävention statt Reaktion - politische Investitionen in Arbeits- und Rahmenbedingungen sind notwendig, um pädagogische Qualität langfristig zu sichern.
Fazit: Mut zu klaren Entscheidungen für Kinder und Familien
Die Diskussion zeigte deutlich:
Es braucht politischen Willen, Kitas als erste Bildungsinstitutionen zu begreifen und entsprechend nachhaltig zu refinanzieren.
Es braucht Mut, Frühe Bildung als gesamtgesellschaftlichen Auftrag zu verstehen.
Und es braucht eine konsequente Perspektivierung der Kinder, um den demografischen Wandel als Chance zu nutzen.
So liegt im Wandel das Potenzial, jedem Kind eine bildungsgerechte Zukunft zu ermöglichen - eine Aufgabe, für die es keine Alternative gibt.
Praxisperspektive am Nachmittag: Familienzentren und KitaSozialarbeit im Markt der Möglichkeiten
Im Congress-Centrum Nord rückten am Nachmittag konkrete Lösungsansätze in den Fokus: <br bcx2"="">Wie können Familienzentren und KitaSozialarbeit Kindertageseinrichtungen in Zeiten des demografischen Wandels stärken?
Der Markt der Möglichkeiten zeigte eindrucksvoll, wie Einrichtungen bereits heute durch sozialraumorientiertes Arbeiten neue Wege gehen. Familienzentren schaffen niedrigschwellige Zugänge, vernetzen Lebenswelten von Kindern und unterstützen Eltern in ihrem Erziehungsauftrag. KitaSozialarbeit ergänzt und erweitert diese Aufgaben um Beratung, Begleitung und passgenaue Unterstützung.
Zusätzlich bereichernd waren die Einblicke der DKJS Sachsen mit ihrem Präventions- und Resilienzprogramm sowie der FH Erfurt mit dem ThEKiZ-Projekt.
Ein herzliches Dankeschön geht an alle beteiligten katholischen Einrichtungen und Träger für das eingebrachte Engagement, die fundierten und kreativen Präsentationen und inspirierende Impulse an:
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KiTa Zweckverband im Bistum Essen
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Caritasverband Westerwald-Rhein-Lahn e. V. (Kita-Sozialarbeit)
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Katholische Kitas im Verbund St. Vincentius Dinslaken (Familienzentrum)
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Kath. Kita St. Mariä Himmelfahrt und Katholisches Familienzentrum Lohmar
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Unikathe Kita-Zweckverband im Bistum Mainz
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DKJS Sachsen
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FH Erfurt

