Editorial

Liebe Leserin, lieber Leser,

»auf die Dauer ist Raum, in dem das Leben seine Spuren hinterlassen kann, ebenso elementar wie Wasser und Luft für menschliches Überleben«, soll der Autor, Philosoph und Theologe Ivan Illich einmal gesagt haben. Kinder erfahren den Raum, seine Dimensionen und Richtungen, über ihren Körper und ihre Sinne. Sie erleben, erobern und meiden Raum auf vielfältige Weise. Raumerfahrung ist eine wichtige Voraussetzung für ihre motorische, kognitive, emotionale und soziale Entwicklung - und ein wesentliches Bildungspotenzial.
Räume in der Kindertageseinrichtung können Kindern ein breites Erfahrungsspektrum bieten, das über das Raumerleben hinausgeht, das ihnen in ihrem familiären, häufig beengten Umfeld offensteht. Dazu bedarf es innen und außen an Räumen, in denen Kinder vielseitige Anregungen erhalten. Spiel- und Freiräume, die sie selbst gestalten können, wo sie sich frei bewegen, die Dingwelt erforschen und selbstbestimmtes Handeln erproben können.
»Die Aneignungstätigkeiten von Kindern in der Kita folgen ihren eigensinnigen Lerninteressen, ihren kommunikativen, sozialen und motorischen Bedürfnissen«, schreiben unsere Autorinnen Gerlinde Ries-Schemainda und Petra Wagner auf Seite 19. »Darauf zu vertrauen und Kindern den Zugang zu Materialien, Räumen, Menschen in der Kita zu ermöglichen und ihnen selbst ihr Aneignungstempo und die Dauer ihrer Auseinandersetzungen zu überlassen, das ist es, was Kinder ermutigt, ihre Bewegungsbahnen auszudehnen und sich in Bildungsprozessen zu engagieren.«
Dann werden unsere Kitas zu Lern-, Entwicklungs- und Spielorten, in denen Bildungsträume wahr werden und das Leben seine Spuren hinterlassen kann.

Ihre
Irene Weber, Chefredakteurin

 

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